Lüdinghauser Weihnachtslied


Eine Quellensuche
von Thomas Kleinhenz


Übersicht:

  1. Dies ist der Tag, den Gott gemacht
  2. Lüdinghauser Ursprung?
  3. Text – Liedersammlung von Michael Denis
  4. Lüdinghauser Melodie
  5. Weitere Lied-Melodien
  6. Freie Kompositionen
  7. Verbreitung des Liedes im 19. Jahrhundert

Dies ist der Tag, den Gott gemacht

In Lüdinghausen ist es seit vielen Jahrzehnten Tradition, dass das sogenannte „Lüdinghauser Weihnachtlied“ zur Weihnachtszeit in den Gottesdiensten und weihnachtlichen Feiern erklingt. Viele Lüdinghauser sind sogar stolz auf ihr „eigenes“ Weihnachtslied:

Den textlichen Hintergrund am Beginn des Liedes bildet die biblische Vorstellung vom Tag des Herrn: „Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat; wir wollen jubeln und uns an ihm freuen.“ (Ps 118, 24). Der Text transformiert hier eine eigentlich dem Osterfest vorbehaltene Wendung (siehe z.B. GL 329) in das Weihnachtsgeschehen hinein.

Das Lied wird seit mehreren Generationen traditionell vor allem als Schlusslied in der Messe am zweiten Weihnachtstag in der Pfarrkirche St. Felizitas in Lüdinghausen gesungen. Nach Aussagen älterer Bürger wurde früher der Schlussteil stets besonders leise gesungen und gespielt, während die anschließende Wiederholung laut und kräftig gestaltet wurde.

Neben der einstimmigen Melodie für den Gemeindegesang existiert auch eine mehrstimmige Fassung, die der Männerchor Lüdinghausen (MCL „Sangeslust“, 1896-2019) in seinem Repertoire hatte.


Weihnachtskrippe in St. Felizitas

Lüdinghauser Ursprung?

Allerdings ist die Herkunft des Lüdinghauser Weihnachtsliedes nicht bekannt. Als „Lüdinghauser Quellen“ liegen nur kleine Textblätter zur Auslage in der Kirche sowie eine handschriftliche Notation des Liedes (gefertigt von Johannes Greshake) ohne Angaben von Texter und Komponist vor.

Dennoch wurden Melodie und Text in Lüdinghausen über viele Generationen weitergegeben und noch Mitte des letzten Jahrhunderts in den örtlichen Schulen im Unterricht gelehrt.

Es gilt aber inzwischen als sicher, dass zumindest der Text nicht aus Lüdinghausen stammt. Denn bereits Anfang des 19. Jahrhunderts ist der Text auch mit weiteren Strophen in vielen kirchlichen und privaten Gebetsbüchern vor allem in Niederösterreich und in der Steiermark, in Süddeutschland, aber auch im heutigen Ungarn, in Serbien und in Rumänien zu finden.


Liedersammlung von Michael Denis

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Michael Denis
(1729-1800)

Erstmals abgedruckt wurde der Text in den „Geistlichen Liedern z. Gebrauch der hohen Metropolitankirche b. St. Stephan in Wien und d. ganzen Wiener Erzbistums“ von dem Jesuitenpater Michael Denis (1729-1800), die 1774 in Wien erschienen sind.1

Gefördert durch die Josephinischen Reformen 1783 und im Zuge der staatlich gelenkten liturgischen Reformen in Österreich-Ungarn wurden die qualitativ hochwertigen und in der Zeit der Aufklärung beliebten Liedtexte nach ihrer Erstveröffentlichung häufig nachgedruckt. Vor allem im 19. Jahrhundert wurden sie in viele (diözesane und regionale) Gesangbücher, aber auch als Liederanhang in Andachts- und Gebetbücher übernommen.

Das 48-seitige Gesangbuch von Michael Denis enthält einen vollständigen Zyklus mit 17 Liedertexten für die einzelnen Zeiten des Kirchenjahres (ohne Melodien), die teilweise noch heute zum Standard der deutschen und österreichischen Gesangstradition gehören.

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Michael Denis

(*1729 in Schärding, +1800 in Wien)

Johann Nepomuk Cosmas Michael Denis war ein österreichischer Priester, Schriftsteller (Pseud.: Sined der Barde), Übersetzer, Bibliothekar und Zoologe.
Unter den 17 Liedern veröffentlichte Michael Denis auch seine Erstfassung des bekannten Adventsliedes „Tauet Himmel, den Gerechten“ (siehe GL 753, heutige Fassung von Norbert Hauner, 1777).

Der bedeutende deutsche Hymnologe Wilhelm Bäumker (1842-1905) beschreibt in seiner Abhandlung „Das katholische deutsche Kirchenlied in seinen Singweisen“  diese Liedersammlung im Detail:2

Wilhelm Bäumker: Das kath. deutsche Kirchenlied in seinen Singweisen

Das katholische deutsche Kirchenlied
in seinen Singweisen

von Wilhelm Bäumker

(Auszug Seite 88ff.)
Übertragung: Th. Kleinhenz

V. Bibliographie und nähere Beschreibung der wichtigsten Gesangbücher

1774. (M. Denis) Geistliche Lieder zum Gebrauche der hohen Metropolitankirche bey St. Stephan in Wien und des ganzen wienerischen Erzbisthums. Wien, gedruckt mit Schulzischen Schriften 1774. 12. Ohne Melodien.

Das Büchlein enthält auf 48 Seiten 17 Lieder, die ich nachstehend anführe, weil sie in spätere Gesangbücher übergingen.

  1. Der Heyland ist erstanden, befreyt von Todesbanden. S. 10
  2. Dies ist der Tag von Gott gemacht, ich will mich herzlich freuen. S. 6
  3. Ein frommes Loblied, o Johann. S. 45
  4. Erfreut euch, liebe Seelen. S. 17. (Überarbeitung des alten Liedes "Freut euch, ihr lieben Seelen", vgl. I. Bd., Nr. 302 u. 405)
  5. Gott des Himmels und der Erde, Dir ist alles unterthan. S. 30
  6. Herr, wir tragen unsre Schuld. S. 33
  7. Ich bethe drey Personen in einer Gottheit an. S. 15
  8. In Gott des Vaters und des Sohns und seines Geistes Nahmen. S. 22
  9. Komm, heiliger Geist, o dritte Person. S. 13
  10. Laß mich deine Leiden singen. S. 8
  11. Maria, sey gegrüßet, Du lichter Morgenstern. S. 39
  12. O Herr, wir sind getroffen. S. 36
  13. O Maria! Sey gegrüßet, hier in Deinem Gnadenbild. S. 42
  14. O Mutter Gottes, hochbelohnt. S. 20
  15. O Schöpfer, dessen Allmachtswort. S. 24
  16. Thauet, Himmel, den Gerechten. S. 3
  17. Wir fliehen zu dir nur, allmächtiger Gott. S. 7

Weder auf dem Titelblatte noch sonst im Buche kommt der Name M. Denis vor; daß dieser aber der Autor ist, geht, abgesehen von allem Anderen, schon daraus hervor, daß Turin, der in seine Sammlung geistlicher Lieder 1778 alle oben verzeichneten Lieder mit Ausnahme von Nr. 6 und 13 aufgenommen hat, ein jedes mit dem Namen "Denis" unterzeichnet.

...

Bäumker bemerkt, dass „weder auf dem Titelblatte noch sonst im Buche der Name M. Denis vorkommt“. Dass Michael Denis aber nicht nur Herausgeber, sondern auch der Autor von zumindest 15 der 17 Lieder ist (auch von „Dies ist der Tag, von Gott gemacht“), steht für Bäumker zweifelsfrei fest. Er verweist dabei auch auf Ernst Xaver Turin, der bereits 1778 bis auf zwei ältere Gesänge alle Lieder von Michael Denis in seine „Sammlung geistlicher Lieder“ aufgenommen hat und jedes mit dem Namen „Denis“ unterzeichnet.

In dem Vorwort zu einem Liederbuch3 aus Prag, welches 1805, kurz nach dem Tod von Denis, veröffentlicht wurde, heißt es: „… der unsterbliche Veredler der Gedichte Ossians, der sel. Hr. Hofrath Denis zu Wien, unser Freund und Mitarbeiter an dieser Sammlung […] ungeachtet seine Bescheidenheit sich nicht dazu bekennen wollte, hat sie [die Lieder] in dem Anbetracht, daß er ehmals Vorsteher des Theresians war, selbst übersehen, und würdig gemacht, allda eingeführt zu werden, …“

Auch in weiteren Schriften wie z.B. in dem „Allgemeinen biographischen Lexikon alter und neuer geistlicher Liederdichter“ (Gottfried Lebrecht Richter, 1804)4 oder in dem „Biographischen Lexikon des Kaiserthums Oesterreich“ (Constantin von Wurzbach, 1858)5 wird Michael Denis als Verfasser aller Liedtexte seines Gesangbuches von 1774 genannt.6


Vergleich der Textfassungen

Aufgrund handschriftlicher oder mündlicher Überlieferung des Textes existieren in einigen Gesangbüchern des 19. Jahrhunderts geringe regionale Abweichungen und Umdichtungen. Für einen Vergleich der ursprünglichen Fassung mit der Lüdinghauser Textversion ist allerdings das Heranziehen einer möglichst frühen Quelle unabdingbar.

Eine der frühesten vorliegenden Sekundärquellen ist das Breslauer „Allgemeine und vollständige Catholische Gesangbuch“ von Ignaz Franz7 aus dem Jahr 1778.8 Der Text von Michael Denis ist also bereits vier Jahre nach Erstveröffentlichung im rund 400 km entfernten Breslau (heute Wrocław, Polen) in Schlesien zu finden.

Ignaz Franz: Allgemeines und vollständiges Catholisches Gesangbuch
Breslau, 1778

Eine weitere frühe Quelle mit dem gleichen Text ist das „Katholische Gesangbuch zum Gebrauch der Pfarrgemeinde ob der Laimgrube“, welches 1785 in Wien gedruckt wurde.9 Hier gibt es sogar einen Hinweis auf eine Melodie (s.u.).


Weynachtslied.

1. Dieß ist der Tag von Gott gemacht;
ich will mich herzlich freuen.
Auch mich hat heut der Herr bedacht;
ich will ihm Lieder weyhen.
Das Heil, das aus der Jungfrau Schooß
heut allen Adamskindern sproß,
ist auch für mich geboren!
Vor seiner Krippe sink‘ ich dann,
und bethe meinen Heiland an,
in Wonne ganz verloren.

2. In meiner Bildung liegt er hier,
den keine Namen nennen.
O Gott! O Kind! geläng‘ es mir,
die Gutthat ganz zu kennen!
Du steigest von dem Thron herab,
den dir mit sich dein Vater gab,
um hier für mich zu leiden!
Du wählest, mir zu nützen heut‘
für Ueberfluß die Dürftigkeit,
den Stall für Himmelsfreuden.

3. Du weinst, mein Jesu! Sey gegrüßt,
o gnadenreiche Zähre!
Sey mir mit Ehrfurcht aufgeküßt,
o Tropfen aus dem Meere,
das einstens blutig strömen soll
für mein und aller Sünder Wohl!
Sey auch für mich geweinet!
Erwärme kalter Christen Herz,
das ihres Heiland ersten Schmerz
nicht zu empfinden scheinet.

4. Das meine soll dein Wohnplatz seyn,
Geliebtester aus allen!
Es soll, wie neugeschaffen, rein
von Engeltrieben wallen.
Komm aus der Krippe, komm zu mir!
Bring ächte Frömmigkeit mit Dir
und wahre Christensitten!
O noch nicht Richter, noch ein Kind!
Dieß macht mich hoffen, Kinder sind
ja leichter zu erbitten.

5. Du kehrest einst in Majestät,
vom Engelheer umringet,
wann diese Welt zu Trümmern geht,
der Staub aus Gräbern dringet.
Dann muß auch ich hin ins Gericht,
Allweiser! vor dein Angesicht,
mit Furcht und Angst durchdrungen.
O sprich dann: Ich erkenne dich;
du hast vor meiner Krippe mich
mit Inbrunst einst besungen.


Ein Vergleich mit der Lüdinghauser Textfassung zeigt, dass die Unterschiede nur sehr gering ausfallen. In Lüdinghausen sind allerdings nur die ersten beiden Strophen des Liedtextes bekannt.

Vor allem die erste Lüdinghauser Strophe unterscheidet sich nur leicht von der ursprünglichen Fassung (siehe Tabelle unten). Diese Varianten beruhen möglicherweise auf einer fehlerhaften mündlichen Überlieferung und sind so auch in einigen Gesangbüchern des 19. Jahrhunderts zu finden.

Auch die zweite Strophe entspricht weitestgehend der Originalfassung. Bemerkenswert ist hier aber, dass die kleinen Veränderungen in keiner weiteren Quelle auftreten und daher diese Strophe tatsächlich als „Lüdinghauser Variante“ bezeichnet werden kann.

 Textversion 1785Textversion Lüdinghausen 
1. Str. / 1Dies ist der Tag, von Gott gemachtDies ist der Tag, den Gott gemachtVariante ist auch in einigen Gesangbüchern des 19. Jahrhunderts zu finden
1. Str. / 8Vor seiner Krippe sink' ich dann,Vor seiner Krippe sing ich dann,Variante ist auch in einigen Gesangbüchern des 19. Jahrhunderts zu finden
2. Str. / 1In meiner Bildung liegt er hierIn seiner Bildung liegt er hiernur in Lüdinghausen
2. Str. / 5,6Du steigest von dem Thron herab,
den dir mit sich dein Vater gab,
Du stiegest von dem Himmelsthron,
Du Mensch geword’ner Gottessohn,
nur in Lüdinghausen
2. Str. / 7,8um hier für mich zu leiden.
Du wählest, mir zu nützen heut,
um hier für uns zu leiden.
Du wähltest, uns zum Nutzen heut,
nur in Lüdinghausen

Eine weitere Besonderheit in der Lüdinghauser Fassung ist die textliche und musikalische Wiederholung der jeweils letzten drei Verszeilen jeder Strophe.


Lüdinghauser Melodie

Ungeklärt ist aber nach wie vor, woher die Melodie des Lüdinghauser Weihnachtsliedes stammt. Die Melodie entspricht in Form und Stil in etwa den Kirchenliedern, die nach 1850 entstanden sind. Die Vermutung liegt natürlich nahe, dass der damals populäre Text im späteren 19. Jahrhundert die Grundlage für eine Neuvertonung von einem Komponisten aus Lüdinghausen war.

Das Lied wurde hier über mehrere Generationen bereits im Schulunterricht vor allem mündlich überliefert. Der Komponist, der der Lüdinghauser Melodie eine besondere Prägung gegeben hat, ist aber leider unbekannt.

Bemerkenswerterweise lässt sich die in Lüdinghausen gesungene Melodie in keiner „auswärtigen“ Quelle außerhalb der Stadtgrenzen nachweisen. Bei der Melodie könnte es sich also tatsächlich um eine Neuschöpfung handeln, die nur regional gesungen und verbreitet wurde.


Weitere Lied-Melodien

Zur Melodie des ursprünglichen Liedtextes von 1774 sind oft nur spärliche bis gar keine Angaben zu finden, da die Gesangbücher bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts i.d.R. nur die Texte (ohne Noten) enthielten, die dann meist zu bekannten Melodien anderer Lieder gesungen wurden. In der Musikwelt spricht man von einer Kontrafaktur, bei der lediglich der Gesangstext eines bereits bestehenden Werks verändert wird, sodass ein neues Lied mit der gleichen Melodie oder gleichen Motiven entsteht.


„Der Tag, der ist so freudenreich“

In einzelnen Gesangbüchern des frühen 19. Jahrhunderts, vorwiegend aus Österreich und Ungarn, wird zu unserem Text die Melodie des Liedes „Der Tag, der ist so freudenreich“ (Melodie: Medingen um 1320, Hohenfurt 1410, Wittenberg 1529) angegeben.

Auch bei diesem Lied handelt es sich um ein Weihnachtslied (deutsche Übersetzung aus dem 15. Jahrhundert nach dem lateinischen „Dies est laetitia“ um 1320). Möglicherweise war neben dem gleichen Versmaß auch die textliche und inhaltliche Nähe zu „Dies ist der Tag, von Gott gemacht“ für die Verwendung der Melodie ausschlaggebend.

Orgelsatz aus Choralbuch, 1785

aus: Neues vollständiges Choralbuch zum Gebrauch bey dem Gottesdienste.
Johann Joseph Klein, Rudolstadt, 1785

Das Choralbuch enthält ein Melodienregister, unterteilt in „Melodie-Normen“ und zugehörige „Lieder“. Nur für die Norm-Melodien wird ein zugehöriger Satz abgedruckt:

Übertragung:

Übertragung aus dem Choralbuch (Instrumental-Version)

Der Tag, der ist so freudenreich (Instrumental-Version)

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wird diese Melodie durch zeitgemäße Ausschmückungen und regionale Verzierungen vor allem im Raum Wien leicht verändert. Der Verlauf der Melodie ist nun in einigen Schulgesangbüchern, die oft als Ergänzung zu Diözesangesangbüchern angelegt wurden, mit Noten abgedruckt.

Einen besonderen Einblick gibt das 1851 in Wien veröffentlichte Schulgesangbuch „Volksweisen deutscher Kirchenlieder“ von Karl Pichler.10 Hier wird zu dem Text eine Fassung für zweistimmigen Gesang und Orgelbegleitung angeboten.

Die einstimmige Fassung findet sich in dem Gesangbuch für das Wiener Knabenseminar (später in Hollabrunn/Niederösterreich) von 1876.11

aus: Katholisches Gebet- und Gesangbuch zum Privatgebrauche
für die Zöglinge des Wiener f. e. Knaben-Seminars. Wien, 1876
Dies ist der Tag, den Gott gemacht (Knabenseminar Wien)
Instrumental-Version, Satz: Th. Kleinhenz

Das Lied war mit dieser Melodie noch bis weit in das 20. Jahrhundert hinein ein populäres Weihnachtslied, vor allem in Niederösterreich, in der Steiermark und bei den Donauschwaben (deutschstämmiges Ungarn, Kroatien, Serbien und Rumänien). In einer geschichtlichen Dokumentation aus Ruma (heute Рума, Serbien), die auch das kirchliche Leben vor 1945 beschreibt, wird sehr detailliert von den beiden Liedern „Dies ist der Tag, von Gott gemacht“ und „Stille Nacht, heilige Nacht“ in der Christmette am Heiligen Abend berichtet.12

Rumaer Dokumentation 1745-1945

Auszug aus: 

Franz Wilhelm: Rumaer Dokumentation 1745-1945. Stuttgart 1990. (S. 294f.)


 

[…]

Um 24 Uhr läuteten alle Glocken vom Kirchturm die Mitternachtsmesse ein. Die Messe wurde von drei Priestern zelebriert. Vor beiden Seiten des Hauptaltars standen die Weihnachtsbäume mit den brennenden Kerzen. Am Seitenaltar, der dem hl. Nepomuk gewidmet war, stand die große Krippe mit den vielen Figuren (eine Stiftung der Familie Eduard Herzeg). Unter den Klängen der Orgel sang die Gemeinde die Weihnachtslieder aus dem Rumaer Kirchenliederbuch "Sursum corda - Aufwärts die Herzen!", zusammengestellt und bearbeitet von Ferdinand Kristl, Kantor.

Zuerst wurde folgendes Lied gesungen:

Dies ist der Tag, von Gott gemacht,
ich will mich herzlich freuen;
Auch mich hat heut' der Herr bedacht,
ich will ihm Lieder weihen.
Das Heil, das aus der Jungfrau Schoß,
heut' allen Adamskindern sproß,
ist auch für mich geboren.
Vor seiner Krippe sing' ich dann,
und bete meinen Heiland an,
in Wonne ganz verloren.

In meiner Bildung liegt es hier,
den keine Namen nennen.
O Gott! O Kind! Geläng' es mir,
die Guttat ganz zu kennen!
Du steigest von dem Thron herab,
den Dir mit sich Dein Vater gab,
um hier für mich zu leiden.
Du wähltest, mir zu nützen heut'
für Überfluß die Dürftigkeit,
den Stall für Himmelsfreuden.

Melodie vom Breslauer Gesangbuch

Als Höhepunkt in der Christmette ertönte "Stille Nacht, heilige Nacht". Nach der Messe traf man vor der Kirche viele Bekannte und wünschte sich gegenseitig gesegnete Weihnachten.

[…]

Aufgeschriebene Kindheitserinnerungen aus dem Weinviertel bei Wien aus dem Jahr 1955 sprechen von dem in der Weihnachtsmesse „von der Gemeinde inbrünstig gesungenen Lied ‚Dies ist der Tag, von Gott gemacht'“.13

Dass das Lied aktuell auch heute noch bekannt ist und gesungen wird, zeigt u.a. die Veröffentlichung in einer Weihnachtsliedersammlung „Melodien zur Weihnacht“ aus dem Jahr 2005 in Wien (mit 4 Strophen)14 sowie in dem „Katholischen Gesangbuch der Donauschwaben“ aus dem Jahr 2011 in München (mit 3 Strophen)15.

Bemerkenswert ist das Reimschema. In der Erstfassung des Textes im Jahr 1774, ebenso auch in der Lüdinghauser Version, besteht jede Strophe aus zehn Verszeilen. Die ersten vier Zeilen bilden einen Kreuzreim (abab), die nachfolgenden sechs Zeilen einen Schweifreim (ccd eed).


„Es ist das Heil uns kommen her“

In einigen Gesangbüchern des 19. Jahrhunderts, vorrangig in Schlesien und Böhmen, wird der Text der ursprünglich 10-zeiligen Strophen jeweils um die letzten drei Zeilen gekürzt. Der Schweifreim (s.o.) fällt dadurch weg. Darüber hinaus gibt es auch kleine textliche Umdichtungen.

Eine führende Stellung nimmt hier die Fassung in dem weit verbreiteten Gesangbuch des Breslauer Domkapellmeisters Mortiz Brosig von 1850/1861 ein:16


aus: Moritz Brosig’s Gesangbuch für den katholischen Gottesdienst
Verlag Leuckart, 1861, 2. Auflage

Dem zufolge wurde dieser Text auf eine andere Melodie mit einem 7-zeiligen Liedschema gesungen.

Über dem Liedtext wird die Melodie Nr. 78 aus einem zugehörigen Notenbuch angegeben, welches leider nicht vorliegt. Die gleiche Nummer steht in diesem Gesangbuch aber auch bei weiteren Liedern:

  • Nr. 121: Ihr Auserwählten unsers Herrn
  • Nr. 140: Erloschen ist der Sonne Pracht
  • Nr. 197: Wenn ich, o Schöpfer, deine Macht (GL 463, heutige Melodie von Peter Sohren, 1668)
  • Nr. 215: Erbarm‘ dich meiner, Gott, in Huld

Andere Gesangbücher aus der Zeit legen dar, dass die Melodie-Norm17 dieser Lieder auf das Lied „Es ist das Heil uns kommen her“ (Paul Speratus, 1524), bzw. auch „Sey Lob und Ehr dem höchsten Gut“ zurück geht.

Orgelsatz aus Choralbuch, 1785

aus: Neues vollständiges Choralbuch zum Gebrauch bey dem Gottesdienste.
Johann Joseph Klein, Rudolstadt, 1785

Das Choralbuch enthält ein Melodienregister, unterteilt in „Melodie-Normen“ und zugehörige „Lieder“. Nur für die Norm-Melodien wird ein zugehöriger Satz abgedruckt:

Übertragung:

Übertragung aus dem Choralbuch (Instrumental-Version)

 

Es ist das Heil uns kommen her (Instrumental-Version)

Diese Melodie ist um 1390/1410 in Mainz entstanden und hat über die Jahrhunderte hinweg große Verbreitung gefunden. Auch heute noch wird die Melodie mit teils neueren Texten (siehe z.B. GL 334: O Licht der wunderbaren Nacht“ oder GL 783, Münster: „Nun freue dich, du Christenheit“) gesungen.

Nach einer Zeitungsnotiz aus dem Namslauer Stadtblatt (Schlesien, heute Namysłów, Polen) vom 29. Dezember 1891 (Nr. 101) eröffnete der Männergesangsverein „Concordia“ am ersten Weihnachtstag eine Bescherungsfeier für Bedürftige mit dem Lied „Dies ist der Tag von Gott gemacht“.

Ungewöhnlich ist die 7-zeilige Breslauer Textfassung in dem Gesangbuch „Engelsharfe“ aus Passau, denn im gleichen Zeitraum existieren bereits mehrere Gesangbuchausgaben in Süddeutschland, u.a. auch in Passau selbst, mit der 10-zeiligen ursprünglichen Textversion. Der Herausgeber Pfarrer Georg Brenner aus Schöllnach bei Passau, der 1866 auch ein Orgelbuch zu seinem Gesangbuch verfasst („weil ein Gesangbuch ohne Singweisen einem Clavier ohne Saiten gleicht„)18, bezieht sich dabei im Vorwort ausdrücklich u.a. auf das Breslauer Gesangbuch von Moritz Brosig.

Pfarrer Brenner schlägt hier neben der Melodie „Es ist das Heil uns kommen her“ alternativ auch noch eine weitere Melodie von Peter Sohren von 1668 als Kontrafaktur vor. Zu dieser Melodie, die ursprünglich zu „Du Lebensbrot, Herr Jesu Christ“ komponiert wurde, gab und gibt es auch heute noch zahlreiche gesungene Liedtexte:

  • Bis hierher hat mich Gott gebracht
  • Wenn ich, o Schöpfer, deine Macht (GL 463)
  • Der Geist des Herrn erfüllt das All (GL 785, Münster)
  • Sankt Liudger, du Schutzpatron (GL 876, Münster)
Melodie von Peter Sohren, 1668
aus: Melodienbuch zur „Engelsharfe“, 1866, Satz: Pfr. Georg Brenner

Diözese Fulda

In Deutschland existieren neben der Lüdinghauser Melodie noch weitere regionale Melodien, die zumeist im Zuge der Erstellung von diözesanen Gesangbüchern neu komponiert wurden.

So findet sich eine ganz eigene Melodie im Gesangbuch „Der nach dem Sinne der katholischen Kirche singende Christ“, das 1778 als erstes katholisches Gesangbuch in Deutschland für das Bistum Fulda erschienen ist. Herausgeber und größtenteils auch Komponist war Pater Augustin Erthel OSB (1714-1796). Mit zahlreichen Auflagen wurde sein Gesangbuch jeweils durch wechselnde Anhänge erweitert und bis 1890 nahezu unverändert genutzt.

In den vorhandenen (Gesangbuch-)Quellen von 183019 und 1834 (20. und 22. Auflage) ist das Lied „Dieß ist der Tag, den Gott gemacht“ unter der Nummer 57 zu finden. Wahrscheinlich ist es aber auch schon in früheren Auflagen vor 1804 vorhanden.

Der nach dem Sinne der katholischen Kirche singende Christ
Fulda 1834, 22. Auflage

Die Melodien (mit Generalbass) wurden ab der Ausgabe von 1804 aus Platzgründen weggelassen und durch Angabe von Nummern ersetzt. Diese beziehen sich auf das im gleichen Jahr erschienene „Vierstimmige Choral-Melodien-Buch“ des Fuldaer Stadt- und Domkantors Michael Henkel (1780-1851).

Zu unserem Liedtext (Nr. 57) wird im Gesangbuch von 1834 zunächst die Melodie-Nr. 27 (eigene Melodie) angegeben:

Choralbuch von 1804 (Übertragung: Thorsten Pirkl)
Edition Musica Fuldensis 2014
Dies ist der Tag, von Gott gemacht (Satz: Michael Henkel, 1804)
Melodie Nr. 27

Als Alternative ist die Melodie-Nr. 87 (bzw. später Nr. 78, Melodie des Liedes „Jerusalem, du Himmelsstadt“) als Kontrafaktur vermerkt. In der Neuauflage des Choralbuches von 1846, die von Michael Henkel umfassend überarbeitet wurde, ist nur noch diese Melodie abgedruckt. Offenbar hat sich die erste Melodie (Nr. 27) nicht durchgesetzt.

Choralbuch von 1846 (Übertragung: Thorsten Pirkl)
Edition Musica Fuldensis 2014
Dies ist der Tag, von Gott gemacht (Satz: Michael Henkel, 1846)
Melodie Nr. 78

Diözese Paderborn

Melchior Ludolph Herold, Pfarrer in Hoinkhausen, hat 1804 ein bedeutendes Gesangbuch „Der heilige Gesang“, besser bekannt als das „Heroldsche Gesangbuch“ herausgegeben.20

Auch hier findet sich der Text von Michael Denis, allerdings unterscheiden sich die drei Strophen (siehe Bild rechts) vor allem in den Folgestrophen deutlich von dem Originaltext von 1774. Das Lied wurde nach der hl. Wandlung (nach den Einsetzungsworten) bzw. „zum Opfermahl“ gesungen.

In einem Choralbuch aus Paderborn von 1843, bei welchem die Melodien „zum Schulgebrauche“ in Notenziffern übertragen wurden, findet sich auch die zugehörige Melodie:

Choralbuch Paderborn, 1843 – Ziffernnotation

Im Jahr 1874 wurde mit der Einführung des Paderborner Diözesan-Gesangbuchs „Sursum corda!“, welches dann bis 1948 bzw. in veränderter Form bis 1975 in Gebrauch war, die bisherige Melodie durch eine neue Melodie ersetzt.21 Der Herausgeber und Komponist der meisten Lieder war Pfarrer Ferdinand Wacker (1834-1911) aus Wünnenberg.

Dies ist der Tag von Gott gemacht (Satz: Wilhelm Schrage)
Orgelbuch zum „Sursum corda“. Paderborn, 1904
Ziffern-Notation (1887) und Orgelbuch (1904)

Notenausgaben zum "Sursum corda!", Paderborn


Ziffern-Notation (Nr. 65 [56])
in F-Dur



Satz aus dem Orgelbuch (Nr. 65)
mit zwei Intonationen

Vor allem in der älteren Generation sind Melodie und Text auch heute noch gut bekannt. Aufgrund des deutlichen Textunterschiedes und der unterschiedlichen Melodien ist aber eine musikalische oder textliche Verbindung der Paderborner Version zum Lüdinghauser Weihnachtslied in Bezug auf die geographische Nähe eher unwahrscheinlich.


Freie Kompositionen

Der Text von Michael Denis wurde im 19. Jahrhundert nicht nur als Kirchenlied in einer Gemeinde gesungen. Offenbar wurden Komponisten und Musiker bereits wenige Jahre nach seiner Entstehung von dem Text inspiriert und zu kunstvollen Kompositionen angeregt.

So entstanden musikalische Werke, die mit solistischem oder instrumentalem Vortrag, aber auch mit großen Besetzungen für gemischten Chor und Orchester sowohl im Gottesdienst als auch im Konzert Verwendung finden konnten. Nachfolgend eine Auswahl:


Der Komponist, Organist und Musikpädagoge Simon Sechter (1788-1867) aus Wien schuf 1835 zwei Fugen (Orig.: „Kirchenlied mit kontrapunktischen Folgerungen für Orgel oder Pianoforte“, op. 50 / 7 und 8) über „Dies ist der Tag, von Gott gemacht“ mit Melodiemotiven von „Der Tag, der ist so freudenreich“.

aus: Pastoralmusik für Orgel aus dem 19. Jahrhundert.
Carus-Verlag 91.054 / Musikverlag Coppenrath

Der Pfarrmusiker und Organist von Hall in Tirol, Joseph Alois Holzmann (1762-1815) vertont den Text um 1810 neu als „Arie auf die Geburt Jesu Christi“. Das Werk ist als Strophenlied in der Besetzung für zwei Soprane, Bass (Soli und Chor) und Orgel angelegt.22

Joseph Holzmann: Aria auf die Geburt Jesu Christi (Franz Gratl)

Joseph Alois Holzmann
(1762-1815)

Dies ist der Tag von Gott gemacht, G-Dur, 2/4
Aria auf die Geburt Jesu Christi
(Download der Noten)

Besetzung: S 1, 2, B (Soli und Chor), org
Quelle: A ST (alte Signatur F I 51, RISM Westösterreich-Datenbank Titel-Nr. 650.002.375)

Im Auftrag des Instituts für Tiroler Musikforschung
ediert von Franz Gratl 2004


Zur Quelle
Zum Werk
Zur Biographie Joseph Alois Holzmanns


 

Joseph Alois Holzmann: Arie auf die Geburt Jesu Christi
(Musikedition Tirol / Institut für Tiroler Musikforschung 2004)

Ein festliches Orchester verwendet der Mariazeller Komponist Joseph Widerhofer (1786-1857) in seiner Komposition zu „Dies ist der Tag, von Gott gemacht“. Der vierstimmige Chor wird begleitet von vier Clarinen (Trompeten), Pauken, Orgel und Violone (Cello). Das Werk ist als Weihnachtslied zur Predigt datiert mit „Del Giuseppe Widerhofer mp . / Org. [1]811“.23

Joseph Widerhofer: Weihnachtslied zur Predigt
(A. Kollbacher: Musikpflege in Mariazell, 1995)

Im Diözesanarchiv in St. Pölten findet sich eine weitere, allerdings unklare und nur als Fragment vorhandene Quelle (Incertus Nr. 388) zu „Dies ist der Tag von Gott gemacht – Predigtlied am Feste der Geburt Jesu Christi“. Als Anmerkung steht „Josef Werner, 22. Dez. 1840“ sowie die musikalische Besetzung mit Chor und großem Orchester (S,A,T,B, 2V,2Ob,2Hr,Org). Josef Werner war Schullehrer in Hafnerbach im Bezirk St. Pölten.

Ein vorhandenes Melodieschnipsel der Violinbegleitung lässt leider nur wenige Rückschlüsse auf das Werk (Aria) zu: G-Dur, 6/8-Takt, Andantino.

Fragment, Diözesanarchiv St. Pölten

In der Ausgabe der katholischen Tageszeitung „Neue Tiroler Stimmen“ vom 6. Dezember 1876 wird in einer Anzeige u.a. neue weihnachtliche Kirchenmusik des Nittenauer Kirchenkomponisten Johann Bartholomäus Schottenhammel (1825-1879) beworben. Darunter befindet sich (als Opus 20) das „Weihnachtslied ‚Dies ist der Tag von Gott gemacht‘, für 3 oder 4 Singstimmen mit Streich-Quartett und 2 Hörner nebst ausgesetzter Orgelstimme“.

aus: Neue Tiroler Stimmen, Nr. 280, 6. Dezember 1876

Verbreitung des Liedes im 19. Jahrhundert

Der Versuch, die auffindbaren und vorhandenen Quellen nach ihrem Erscheinungsort in einer Landkarte zu dokumentieren, muss zwangsläufig unvollständig bleiben. Dennoch zeigt er sehr deutlich, dass die Verbreitung des Liedes in der Habsburger Monarchie des 19. Jahrhunderts vor allem durch die Josephinischen Reformen (1783) und die Geisteshaltung der Aufklärung stark beeinflusst wurde.

Die Verbindung der deutschsprachigen Gruppen in dem Vielvölkerstaat erfolgte größtenteils über die Donau. Der Fluss verband Österreich und Böhmen mit den Donauschwaben (deutschstämmiges Ungarn, Kroatien, Serbien und Rumänien) und gab ihnen die Möglichkeit, Waren zu verschiffen und Informationen auszutauschen. Der rege Handel wurde durch die aufkommenden Dampfschiffe noch verstärkt.

Verbreitung von „Dies ist der Tag, von Gott gemacht“

Das Lied wurde nahezu unverändert (gelbe Punkte) in fast allen deutschsprachigen Gebieten gesungen. Die Textkürzung der Liedstrophen auf sieben Zeilen (grüne Punkte) erfolgte hauptsächlich im schlesisch-böhmischen Raum. Auffällig ist, dass in Kärnten und vor allem im Musikland Tirol, abgesehen von einer lokalen Eigenkomposition (blaue Punkte) aus Hall in Tirol, der Liedtext offenbar kaum bekannt war.

Die Verbreitung des Liedes in Deutschland konzentriert sich zunächst auf die an der Donau flussaufwärts gelegenen Regionen im südlichen Bayern bis nach Würzburg.

Im angrenzenden Fulda ist der Text schon früh mit einer eigenen Melodie vertont worden. Diese Melodie hat sich aber nicht durchgesetzt. Der Text wurde dann zu einer bekannten Melodie (Kontrafaktur) gesungen.

Außergewöhnlich aufgrund der räumlichen Entfernung sind zwei Bücher, die in der Erzdiözese Köln erschienen sind.24 Ähnlich verhält es sich mit der Paderborner Fassung, die aber bereits 1804 umgedichtet wurde und sich vor allem in den Folgestrophen von dem Original unterscheidet.

Vielleicht liegt gerade in der im Vergleich größten Entfernung zur Ursprungsstadt Wien der Grund, weshalb nach wie vor unklar ist, auf welchen Pfaden der Text nach Lüdinghausen gelangt ist. Eine Veröffentlichung in einem regionalen oder diözesanen Gesangbuch in Lüdinghausen ist nie erfolgt. Aber auch das macht das Lüdinghauser Weihnachtslied zu etwas Besonderem.


Ähnlich dem Lüdinghauser Weihnachtslied beginnt auch ein Lied, welches der Dichter Christian Fürchtegott Gellert (1715-1769) vor 1755 schuf, mit dieser Textzeile. Der Dichter unterlegte seinem Lied die Melodie „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ von Martin Luther.

Thomas Kleinhenz


Fußnoten

  1. Michael Denis: Geistliche Lieder z. Gebrauch der hohen Metropolitankirche b. St. Stephan in Wien und d. ganzen Wiener Erzbistums. Wien, 1774.
  2. Bäumker, Wilhelm: Das katholische deutsche Kirchenlied in seinen Singweisen. Freiburg, 1891. S. 88ff.
  3. Lieder zur öffentlichen und häuslichen Andacht, mit Melodien von den besten größtentheils vaterländischen Meistern. Kaiserlich-Königliche Normalschule in Prag, 1805, 5. erweiterte Auflage
  4. Richter, Gottfried Lebrecht: Allgemeines biographisches Lexikon alter und neuer geistlicher Liederdichter. Leipzig, 1804. Seite 51
  5. Wurzbach, Constantin von: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. Wien, 1858. 3. Band, S. 240
  6. siehe auch: Gothaische gelehrte Zeitungen, Nr. 36 vom 21. Mai 1774. (zum Link)
  7. Ignaz Franz (1719-1790), Priester, Theologe und Kirchenlieddichter. Er ist der Dichter des Kirchenliedes „Großer Gott, wir loben dich“.
  8. Ignaz Franz: Allgemeines und vollständiges Catholisches Gesangbuch, worin neue geistliche Lieder zu finden sind. Breslau, 1778
  9. Schmidt, Matthias Andreas: Katholisches Gesangbuch zum Gebrauch der Pfarrgemeinde ob der Laimgrube. Wien, 1785. Seiten 20-22
  10. Karl Pichler: Volksweisen deutscher Kirchenlieder zum Schulunterrichte: für den zweistimmigen Gesang mit vollständiger Orgelbegleitung. Wien, 1851.
  11. Katholisches Gebet- und Gesangbuch zum Privatgebrauche für die Zöglinge des Wiener f. e. Knaben-Seminars. Wien, Eigenverlag des Knabenseminars, 1876. zur Ansicht
  12. Rumaer Dokumentation 1745-1945. Stuttgart 1990. http://www.hog-ruma.de
  13. Elisabeth Schöffl-Pöll: Weihnachten im Weinviertel. Sutton-Verlag, Erfurt, 2013, S. 73
  14. Melodien zur Weihnacht. Die schönsten Advent-, Weihnachts-, Sylvester- und Neujahrslieder (Bearbeitung: u.a. Herbert Seifner). Musikverlag Josef Weinberger, Frankfurt, 2005
  15. Franz Metz: Katholisches Gesangbuch der Donauschwaben. München, 2011
  16. Moritz Brosig’s Gesangbuch für den katholischen Gottesdienst. Leuckart, 1861, 2. Auflage
  17. Johann Joseph Klein unterscheidet in seinem Choralbuch zwischen der Melodie-Norm eines bekannten Liedes und weiteren dazu gesungenen Liedtexten. (Johann Joseph Klein: Neues vollständiges Choralbuch zum Gebrauch bey dem Gottesdienste. Rudolstadt, 1785)
  18. Engelsharfe. Katholisches Gebet- und Gesangbuch, besonders für alle Verehrer der seligsten Jungfrau und Mutter Gottes Maria. Passau, 1866
  19. Forschungsstelle für fränkische Volksmusik, Uffenheim. https://volksmusik-forschung.de/datenbank/lied.html?id=163757
  20. Melchior Ludolph Herold: Der heilige Gesang oder vollständiges Katholisches Gesangbuch für den öffentlichen Gottesdienst und die häusliche Andacht. Hoinkhausen, 1804.
  21. Sursum corda!. Katholisches Gesang- und Gebetbuch für die Diözese Paderborn. Paderborn, 1874-1948.
  22. Quelle: https://www.musikland-tirol.at/html/html/musikedition/komponisten/ holzmann/dertag/index.html, abgerufen am 1. Februar 2019.
  23. Adolf Kollbacher: Musikpflege in Mariazell, drei Generationen der Komponistenfamilie Widerhofer, 1756 bis 1876. Wien, 1995
  24. Eines der beiden Bücher wurde von Chrysanth Joseph Bierbaum um 1830 herausgegeben. Er war Kaplan an St. Remigius in Bonn, spielte Klavier, Orgel und Harfe. Er ist der Komponist des Liedes „Fest soll mein Taufbund immer stehen“.

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