Geschichte


Geschichte der Orgel in St. Dionysius Seppenrade
zusammengestellt von Thomas Kleinhenz

Inhalt:


Die Orgeln in der Vorgänger-Kirche (vor 1885)

 

Aus alten Aufzeichnungen geht hervor, dass in der Vorgänger-Kirche vor 1885 schon verschiedene Orgeln gestanden haben müssen. Nach Prof. Dr. Rudolf Reuter („Orgeln in Westfalen“, 1965) war bereits 1614 „eine mittelmäßige Orgel“ vorhanden (Bischöfliches Archiv Münster, GV Hs. 23, fol. 326: „Organum mediocrum“).

Über die Zerstörung der Orgel berichtet das Visitationsprotokoll von 1662 (GV Seppenrade A1): „Organum olim fuit, sed nunc nihil nisi Locus et ligna. Hollandi, dum primum obsessa fuit arx Lüdinghausen, omnia destruxerunt.“ – „Es gab einmal eine Orgel, aber nun ist nichts mehr da außer Holz. Als die Belagerung im Mittelpunkt von Lüdinghausen war, haben die Holländer alles zerstört.“

Um 1822 ist die Reparatur einer Orgel in Seppenrade durch den Orgelbauer Wilhelm Kramer (Lippborg, später Dülmen) belegt. Im Jahr 1854 weist ein anderer Orgelbauer die Gemeinde auf eine bestehende, “zu kleine” Orgel mit folgender Disposition hin:

Manual (C-e’’’)

1. Principal 4 Fuß
2. Gedackt 8 Fuß
3. Quinte 2 2/3 Fuß
4. Oktav 2 Fuß
5. Waldflöte 2 Fuß
6. Mixtur 1 Fuß (?) 3fach
7. Sesquialtera 2 Fuß
8. Trompete 8 Fuß
Positiv

9. Oktav 2 Fuß
10. Gedackt 4 Fuß
11. Quinta 1 1/3 Fuß
12. Waldflöte 1 Fuß
13. Terzian 15/12 Fuß
14. Mixtur 2fach

Neubau der Kirche und der Orgel

 

Im Jahr 1885 weihte Bischof Brinkmann die neu erbaute Pfarrkirche in Seppenrade ein. Vermutlich wurde zunächst die alte Orgel aus der Vorgänger-Kirche übernommen. Aber bereits 10 Jahre später, im Jahr 1895, fasste der Kirchenvorstand den Beschluss, die Firma Friedrich Fleiter aus Münster mit einem Orgelneubau zu beauftragen. Die Fertigstellung der Orgel erfolgte frühestens im Jahr 1896 mit folgender Disposition:

I. Manual

1. Bordun 16’
2. Principal 8’
3. Flauto major 8’
4. Hohlflöte 8’
5. Viola di Gamba 8’
6. Oktave 4’
7. Rohrflöte 4’
8. Quinte 2 2/3’
9. Oktave 2’
10. Cornet 3fach 4’
11. Mixtur 3fach
II. Manual

12. Geigenprinicpal 8’
13. Lieblich Gedackt 8’
14. Salicional 8’
15. Flauta dolce 4’
16. Gemshorn 4’
Pedal

17. Violon 16’
18. Subbaß 16’
19. Principal 8’
20. Oktave 4’
21. Posaune 16’
22. Trompete 8’

Der Prospekt der Orgel wurde vom Architekten Wilhelm Rincklake (1851-1927) entworfen. Er fügt sich hervorragend in die neugotische Innengestaltung der Kirche ein und steht heute unter Denkmalschutz.

Im Jahr 1936 wurde die Orgel durch Ludwig Fleiter umgebaut, damit der inzwischen neu gegründete Kirchenchor auf der Orgelempore Platz fand. Im Wesentlichen wurde das Instrument zurückgesetzt, das II. Manual wurde hinter das I. Manual gelegt und der Spieltisch versetzt. Außerdem wurde ein neuer Orgelmotor aufgestellt.


Umbau und Erweiterung (1967)

 

Ein erneuter Umbau erfolgte im Jahr 1967 durch den Enkel Friedrich Fleiter: Einbau einer elektropneumatischen Kegellade, neuer Spieltisch, Erweiterung um einige Register. Der Umbau verzögerte sich allerdings und wurde erst im Jahr 1977 abgeschlossen. Die neue Disposition lautete jetzt:

I. Manual

1. Pommer 16’
2. Principal 8’
3. Hohlflöte 8’
4. Oktave 4’
5. Rohrflöte 4’
6. Quinte 2 2/3’
7. Oktave 2’
8. Terz 1 3/5’
9. Mixtur 1 1/3’
10. Trompete 8’
II. Manual

11. Gedackt 8’
12. Gamba 8’
13. Principal 4’
14. Gemshorn 4’
15. Spitzflöte 2’
16. Quinte 1 1/3’
17. Cymbel 3fach
18. Krummhorn 8’
Pedal

19. Offenbaß 16’
20. Subbaß 16’
21. Oktavbaß 8’
22. Choralbaß 4’
23. Weitflöte 2’
24. Hintersatz 2 2/3’
25. Posaune 16’
26. Trompete 8’

Neubau der jetzigen Orgel im Jahr 1999

 

Bereits in den 1980er Jahren verschlechterte sich der Zustand der Orgel dermaßen, dass sich viele Register nicht mehr stimmen ließen und die Elektrik der Anlage unzuverlässig bzw. gar nicht mehr arbeitete. Durch das offene Gehäuse war das Instrument durch Staub und herabbröckelnden Putz stark verschmutzt.

Daher fasste der Kirchenvorstand im Jahr 1996 den Beschluss zum Bau einer neuen Orgel. Der Auftrag wurde an die Orgelbaufirma Mönch in Überlingen (Bodensee) vergeben. Die Orgelweihe fand am 8. August 1999 statt. An der Orgel spielte Kantorin Christel Schlensok. Der Kirchenchor St. Dionysius Seppenrade unter der Leitung von Heinz-Peter Kortmann (Krefeld) sowie ein Kammerorchester gestalteten die Feier musikalisch mit.


Die Organisten in St. Dionysius

 

  • um 1833: Poeckmann
  • ?-1911: Johannes Flötgens, Lehrer und Organist
  • 1911-1952: Hugo Gruthölter, Lehrer, Organist und Chorleiter
  • 1952-1992: Hubert Ewers, Organist, Chorleiter und Küster
  • 1993-2000: Christel Schlensok, Kirchenmusikerin
  • 2000-2001: Gudrun Löbbert, Kirchenmusikerin
  • 2001-2005: Bernd Schaboltas, Kirchenmusiker
  • seit 2005: Gabriel Polarczyk, Kirchenmusiker (bis 2017 auch Küster)

 

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